Freiham WA12

Wohnungsbau & Kindertagesstätte, München
Bauherr: GWG München
BGF: 17.900 qm
nichtoffener Wettbewerb 2018, 3.Preis
mit Buero Kofink Schels
& bauchplan ).(












Um trotz der offenen Bauweise ein klar ablesbares Blockinneres zu generieren wird eine starke Differenzierung der Gebäude zu
Hof- und Straßenseite vorgeschlagen. Durch die Besetzung der Baufluchten mit den Breitseiten der Gebäude entstehen klare Kanten zu den öffentlichen Stadt- und Grünräumen. Zum Hof hingegen verzahnen sich die Baukörper durch ihre Staffelung räumlich mit ihrer Umgebung. So entstehen differenzierte Zwischenräume und die Wohnungen mit optimaler Ausrichtung. Das Hochparterre schafft straßenseitig Privatsphäre für das Erdgeschoss. Mit der Anhebung des Hofniveaus fließt der Freiraum im Blockinneren schwellenarm bis an die Erdgeschosswohnungen und ihre privaten Freiräume heran.

Als Zentrum des Quartiers zieht sich ein öffentlich zugänglicher botanischer Wald von Nord-Ost nach Süd-West. In ihm befinden sich alle öffentlichen Nutzungen wie Kinder- und Kleinkinderspiel, Teile der Kita Freifläche und der Quartiersweg. Die Auswahl der Gehölze staffelt sich nach einer botanischen Systematik: Auftakt mit Kleinbäumen und Sträuchern im Bereich der Tiefgaragenüberdeckung, Verdichtung mit mittelgroßen Gehölzen im Blockinneren, identitätsprägende Großbäume am südlichen Eingang. Die Dächer der Gebäude werden mit einer extensiven Dachbegrünung versehen.

Die Gebäude selbst bedienen sich einfacher gestalterischer Mittel. Wenige unterschiedliche Fensterformate und subtile Versprünge der Fensterachsen versetzen die schlichten, verputzten Lochfassaden in Spannung und staffeln diese vertikal in Sockel-, Mittel -und Attikazone. Die Rinnenkästen der außenliegenden Entwässerung fungieren als skulpturales Gestaltungselement.

Der Idee eines klaren Innen und Außen folgend, sind auch die Fassaden entsprechend differenziert. Entgegen der klaren Kanten des Blockperimeters erscheinen die ondulierenden Hoffassaden mit den vorgestellten Balkonen in Stahlbauweise deutlich filigraner. Einfache Vorhänge als Sonnenschutz unterstreichen diese Feingliedrigkeit. Markante Vordächer markieren die nach innen versetzten Zugänge. Die Kindertagesstätte wird durch große Öffnungen bis ins erste Obergeschoss deutlich ablesbar. Einen besonderen Ausdruck schafft das dreigeschossige „Gartenhaus“ im Hof, welches dem Bauherren die Möglichkeit bietet ein ökologisch nachhaltiges Pilotprojekt zu konzipieren.

Geförderte und freifinanzierte Wohnungen sind in Baukörpern getrennt ausgewiesen. Für alle Wohnbauarten entsteht dabei ein ausgeglichener Wohnungsmix. Durch die Faltung der Fassaden gelingt es sämtliche Wohnungen optimal zu orientieren. Die eingeschobenen Loggien schaffen attraktive Innenecken und gliedern die Wohn- und Essbereiche. Der Zugang zu den privaten Freibereichen ist jeweils den Küchen zugeschaltet, so dass sich in vielen Fällen sehr einfach auch Individualräume aus den Wohnzimmern generieren lassen. Installationsstränge von Bad und Küche sind konsequent gebündelt.


Die Kindertagesstätte erreicht man über den Eingang im Osten. Die doppelgeschossige Eingangshalle verbindet die beiden besonderen Geschosse. Während sich die Räume für Verwaltung, die Küche und alle Nebenräume in Richtung Straße nach Norden und Osten orientieren, sind alle Gruppen- und Krippenräume entlang der Westfassade dem Innenhof und den Gartenflächen zugewandt.

Spielflure im Innern und entlang der Fassade verbinden Gruppen untereinander. Die beiden Spielnischen im Süden und Norden des Obergeschosses lassen zusätzliche Ein- und Ausblicke zu und geben der Kindertagesstätte zum Park-und Stadtraum hin ihr eigenes Gesicht.

Sämtliche Wohnungen sind barrierefrei geplant. Zusätzlich werden im südlichen Hofhaus erdgeschossig zwei Wohneinheiten für Nutzer von Rollstühlen optimiert. Weitere rollstuhlgerechte Wohnungen sind auch an anderer Stelle problemlos realisierbar.

Die Gebäude werden abgesehen vom Hofhaus vom Straßenraum her erschlossen. Um die nördliche Stichstraße weitestgehend von Verkehr freizuhalten, wurde die Tiefgarageneinfahrt im nord-westlichen Gebäude in größtmöglicher Nähe zu den Hauptverkehrswegen des Quartiers vorgesehen. Alle Gebäude sind über ihre Treppenhäuser direkt an die Tiefgarage angebunden.

Die konsequente vertikale Anordnung der Bäder und Küchen, die Entkopplung der Balkone vom Hauptbaukörper, sowie die einfachen Lochfassaden mit Verzicht auf aufwändige Details ermöglichen eine wirtschaftliche Erstellung des Projekts bei gleichzeitig hoher Wohnqualität und einem großem Maß an Identität. Die Kompaktheit der Wohnanlage und das hohe Ausbauverhältnis tragen grundlegend zur Wirtschaftlichkeit der Baukörper bei.


Mitarbeit: Clemens Pörtner, Lisa Häberle, Felix Dick, Sophie Ramm

Bilder: OVI Images