Rodgau
Wohungsbau, gefördert
Bauherr: Stadt Rodgau 
BGF: 2.737 qm
nichtoffener Wettbewerb 2018 









Das Grundstück wird von der wenig befahrenen Mühlstraße erschlossen. Die befestigte Erschließungszone befindet sich entlang der Dudenhöfer Straße und orientiert sich damit am allgemeinen Ortsbild. Die Begrünung zieht sich vordergründig im Inneren des Gevierts als Grüngürtel hinter den Häusern durch. Somit bildet sich eine Dualität zwischen einer Erschließung und Spielstraße nach Nord-Osten und einer bewussten Positionierung der Gartenanlage nach Süd-Westen.

Der Gebäuderiegel wird als flacher Baukörper mit nur zwei Obergeschossen ausformuliert. Durch den Verzicht eines dritten Obergeschosses bleiben die Bäume mit ihren hochgewachsenen Baumkronen auf dem Grundstück dominierend.

Eine Zäsur zwischen dem spiegel-symmetrischen Baukörper schafft eine Verbindung und eine Durchlässigkeit zwischen dem Gartenbereich und der Spielstraße. Eine rhythmische Gliederung der Baukörper in maßstäbliche Fassadenteile bricht die Gesamtlänge dieses „Doppelhauses“ und adaptiert sich an die Körnung der eher kleinteiligen Bebauung in der Nachbarschaft. Zudem bilden sich dadurch individuelle Adressen und Eingangsbereiche ab.

Die Fassadengestaltung folgt dem schlichten und strukturierten Charakter des Entwurfs nach außen. Regelmäßige Fensteröffnungen werden durch eine vertikale Bandstruktur gegliedert. Die Stahlvorbauten für die Balkone und die Treppenhäuser sowie feine Lisenen geben dem strengen Baukörper wohnliche Momente.


Sämtliche Wohnungen sind durchgesteckt und somit mindestens zweiseitig belichtet. 

Ebenso besitzen alle Wohnungen einen Balkon als privaten Außenraum.


Die Erschließung der Wohnungen erfolgt über außenliegende Treppenhäuser. Zwei Vierspänner erschließen die kleinen Wohnungen und ein Zweispänner erschließt die großen Wohnungen. 

Die Wohnanlage besteht aus zwei spiegelsymmetrischen Baukörpern. Die Wohngeschosse sind mit Ausnahme des Raumbedarfs für die Technik im Erdgeschoss deckungsgleich.



Alle tragenden Bauteile wie Außenwände und Wohnungstrennwände laufen ohne Versprünge durch. Ebenso erstrecken sich alle vertikalen Installationen in den Schächten ohne Verzüge. Somit ist eine simple dezentrale Entlüftung über Dach mit dezentraler Nachströmung einfach umsetzbar.

Alle Nasszellen sind standardisiert und optimal verteilt. Die Küchen, beziehungsweise das separate WC sind stets an das Hauptbad angeschlossen. Dementsprechend sind je Wohnung nur ein Vertikalschacht notwendig, bei der großen Vierzimmerwohnung zwei Schächte.

Die Fassadenkonstruktion ist mit den gleichen Lochfensterformaten mit den gängigen Standards denkbar einfach lösbar.
Die vorgestellten Balkontürme können vorfabriziert aufgerichtet werden.

Durch die Abstellräume in den Wohnungen, der Technik im Erdgeschoss und gegeben falls auf dem Dach und den in der Freifläche integrierten Stellplätzen kann bei diesem Entwurfsansatz auf eine Unterkellerung verzichtet werden.


Bestandsbäume, die dem Grundstück viel Qualität bieten, können etwa zu zwei Drittel erhalten bleiben. 


Zusammen mit den Neupflanzungen umfließt der Grünraum die Wohnanlage auf zwei charakterlich unterschiedliche Arten.



Während entlang der Spielstraße die Erschließung mit Gräsern und Kleingehölzen atmosphärisch gestaltet wird, wird der Gartenbereich nach Süd-Westen mit Spielwiesen, Gartenpavillon und Spielgeräten versehen.



Die Gebäudezäsur in der Mitte der Anlage bildet somit eine Freiraumschleuse zwischen halböffentlichem und privatem Freibereich. Die Wohnbereiche im Erdgeschoss werden durch vorgelagerte Grünflächen in ihrer Privatsphäre geschützt.

Alle neuen Stellplätze sind auf natürliche Weise durch die Bestandsbäume beschattet, die bestehenden Stellplätze an der Mühlstraße werden erhalten.

Ein Großteil der geplanten Wohnungen ist barrierefrei. An den Vierspännern ist jeweils ein rollstuhlgerechter Lift vorgesehen, da dies zum einen gerade für einen öffentlichen Auftraggeber zeitgemäß ist. Gleichzeitig weist sich dies in der langfristigen Planung als nachhaltig auf. Somit sind 26 von 30 Wohnungen barrierefrei erreichbar.

Die Kompaktheit der Wohnanlage und die hohe Ausnutzung von Wohnfläche zur Bruttogrundfläche trägt primär zur Wirtschaftlichkeit und somit auch zur Energieeffizienz der Baukörper bei. Die EnEV wird durch entsprechende Maßnahmen eingehalten.
Die vorgelagerten Treppen als Außenerschließung minimieren das zu heizende Gebäudevolumen.



Mitarbeit: Lisa Häberle