Schlichtergasse

Wohnungsbau
Bauherr: Stadtbau Lörrach
Lörrach
BGF: 4.296 qm
nichtoffener Wettbewerb 2019, 3.Preis

mit Sima Breer Landschaftsarchitektur

















Das Grundstück wird durch die bestehenden Nachbarbebauungen kammartig aus zwei Richtungen geprägt. Im Ost-Westen grenzt es an dreigeschossige Bauten der ehemaligen Arbeitersiedlung und im Nord-Süden an die zu sanierenden viergeschossigen Bestandshäuser. Zusätzlich ist eine diagonale Achse entlang der Ortmannstraße lesbar, die bereits durch kleinteiligere Bebauungen aufgenommen wurde.

Es erscheint naheliegend, diese Struktur in den Entwurf der Neubauten einfließen zu lassen. So haben wir einen Winkel-Typus entwickelt, der die Geschossigkeit der Nachbarschaft „weiterstrickt“, und sich zwei weitere Male entlang der Diagonalen wiederholt. Das vierte Haus für den besonderen Wohnbedarf sitzt als Rücken am nördlichen Rand des Grundstücks und bildet einen Abschluss.

Obwohl die Maßstäblichkeit der Umgebung aufgenommen wird, besitzen die in zweiter Reihe liegenden Neubauten einen eigenständigen Ausdruck. Durch die Pultdächer und die gezielt gesetzten Nebengebäude wird dem introvertierten Quartier ein intimer und kleinteiliger Charakter verliehen.

Das Erdgeschoss ist durchlässig und schafft eine Querverbindung zwischen dem nördlichen Bereich und den attraktiven Freianlagen im Süden. Bewohnerfoyers ersetzen als dezentrale Aufenthaltsbereiche einen großen Gemeinschaftsraum und bilden Auftakte zu den Quartiersplätzen. Das bewusst an die Fassade gesetzte Treppenhaus schafft Transparenz und reduziert gleichzeitig die Ausrichtung der Wohnräume zur Nachbarschaft im Norden.




Die kleinste Wohnung bildet den Grundtypus. Über den Küchenraum erschlossen, der an die Loggia angebunden ist, erreicht man kaskadenartig das zentrale Wohnzimmer und darauffolgend das sogenannte Flex-Zimmer. Dieses zusätzliche Individualzimmer kann je nach Bedarf aber auch über eine Flügeltüre dem Wohnraum zugeschaltet werden.

Für die beiden größeren Wohntypen werden Module additiv entsprechend den Anforderungen der Fördergrenzen ergänzt. Die innere Erschließungsfläche ist auf ein Minimum reduziert. Insgesamt entstehen somit hoch flexible Wohnungen für verschiedene Belegungskonstellationen.

Die neue Anlage kann über alle bestehenden Wege erschlossen werden. Der durchgesteckte Eingangsbereich unterstreicht die zentrale Position der Neubauten. Die Parkierung erfolgt effizient im Süden mit Querparkplätzen entlang der Ortmannstraße. Zudem wird die Distanz zum Nordbau genutzt.

Die programmatische Bewohner-Zäsur dieser Anlage wird durch großzügige Vorplätze zu beiden Seiten umschmeichelt. Dadurch wird eine städtebauliche Rückseite vermieden und gleichsam den Bewohnern ein attraktives Ankommen, unabhängig aus welcher Richtung, ermöglicht. Die im Süden angelegten Quartiersplätze bieten folgerichtig eine größere Attraktivität. Gemeinsam mit dem großzügig erhaltenen Grün zur Ortmannstraße bilden diese eine Vielfalt an Außenräumen mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten in einem dichten Quartier.

Während tragende und aussteifende Wände und Decken im Gebäudeinneren konventionell in Stahlbeton angedacht sind, schlagen wir für die Außenwände, auch aufgrund ökologischer Gesichtspunkte, einen perlit-gefüllten Objektziegel vor. Ohne zusätzliche Wärmedämmung erscheint das Gebäude in einer lebendigen Putzstruktur. Für die Robustheit und Langlebigkeit im Sockelbereich sollen Fliesen das Gebäude säumen.

Einzig der notwendige Sonnenschutz und die Brüstungen sollen als vorgestellte Elemente die Häuser verzieren. Gleichzeitig wird so die wiederkehrende Grundrissorganisation auch von außen ablesbar. Während Zimmerfenster eher klein gehalten sind, werden besonders die Loggien und die Wohnzimmerfenster betont. Die Bewohner können dadurch ihrem bewohnten Haus individuellen Ausdruck verleihen.

Trotz eines verspielten Städtebaus und den daraus resultierenden Qualitäten bleibt das Haus in seiner Kubatur effizient. Diese Effizienz wird durch die mehrfache Setzung desselben Winkelbaus bekräftigt und zieht sich auch durch die Wiederholung eines Grundtypus der Wohnungen fort. Die Küchen sind ausnahmslos an Bäder angeschlossen, die Schächte sowie statische Strukturen verlaufen ohne Verzüge. Die Unterkellerung ist auf den viergeschossigen Teil eines Hauses entsprechend den Anforderungen reduziert.

Ein Aufzug ist zeitgemäß und bietet den Bewohnern langfristig und in verschiedenen Lebenslagen die Möglichkeit in ihren Wohnungen zu bleiben. Bereits jetzt sind alle großen Wohnungen mit den entsprechender Möblierbarkeit und Bewegungsflächen barrierefrei.

Mitarbeit: Sophie Ramm, Mira Keipke