Traunreut

Neubau Grundschule Nord in Traunreut
Bauherr: Stadt Traunreut
BGF: 5.941 qm
nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil 2019

In Zusammenarbeit mit Architekt Benjamin Eder 

&  michellerundschalk Landschaftsarchitekten

































Ob Vierseithof, Zwiehof oder Einfirsthof - in der Vergangenheit hatte man im Landkreis Traunstein keine Scheu vor der Größe. Diese großformatigen Typologien prägen bis heute das Bild der Region. Der Einfirsthof, oder auch die noch speziellere Form des Bundwerkstadels, sind ein Musterbeispiel für einen nachhaltigen Umgang mit Landschaft und Umwelt. Hochfunktional alles unter einem Dach zu beherbergen und dabei den menschlichen Maßstab nicht zu verlieren ist auch der Anspruch der neuen Grundschule in Traunreut. Sie sucht ihre Wurzeln in regionaler Baukultur und übersetzt sie in die heutige Zeit.

Das Baufeld befindet sich am Schnittpunkt von Gewerbe im Osten und Wohnen im Westen. Die neue Grundschule schließt das Gewerbegebiet deutlich ab und vermittelt zwischen beiden Nutzungen. Giebelfronten im Westen brechen die Großmaßstäblichkeit auf und orientieren sich an der Siedlungsstruktur. Die Fassade knüpft an den Bundwerkstadel an und spannt den Bogen ins 21. Jahrhundert. Die Konstruktion ist ein Stahlbetonskelettbau mit vorgestellter, verzinkter Stahlfassade.
Die Struktur gliedert den Baukörper und zeigt an wichtigen Stellen Brüche, um Orientierung zu geben.



Schule und Lernen beginnen und enden nicht mit dem Gong. Das Ankommen und der Austausch, sowie das Gespräch und Spiel mit anderen Kindern tragen maßgeblich zur Entwicklung bei. Vorgeschlagen wird deshalb ein länglicher Schulanger, der geeignete und anzueignende Räume umfasst. Jedes Klassenzimmer ist durch seinen kleinen Giebel und Außenbereich als eigenständiger Teil des Gesamtkomplexes lesbar. Der lange Körper besitzt eine schlichte Ordnung. Die innere Straße wird durch großzügige Treppen mit dem Obergeschoss verknüpft. Eine reine Durchwegung wird vermieden, jeder Ort soll zum Lernen und zum Aufenthalt einladen.

Vorplätze und Pausenhöfe werden auch als Erweiterung der Schul- und Kitagebäude gesehen und mittels direkter Bezüge ausformuliert. Ihrer Größe und Umgebung angemessen, bilden die neuen Freiflächen ein multifunktionales und attraktives Lernumfeld und fügen sich nicht nur in die Umgebung des Ortes ein, sondern prägen diese ganz maßstäblich. Wichtig erscheint uns der Aspekt der teilweisen, zumindest optischen, Öffnung der verschiedenen Bereiche zueinander.
Ein Gemeinschaftssinn, darunter Bezüge zwischen den Alters- und Nutzergruppen, wird gestärkt.

Sämtliche Freiräume werden als erweiterte Schulflächen gesehen. Neben großzügigen Bewegungsflächen werden auch Rückzugsorte angeboten. Durch den Erhalt des wertvollen Baumbestandes als klare verbindende Rahmung der Anlage wird ausgehend von eindeutigen Erschließungen immer wieder der Bezug zum Grünen gesucht. Die Freibereiche für die Kindertagesstätte bieten neben den notwendigen Terrassen- und Sandflächen vor allem vielfältige Möglichkeiten der Naturerfahrung- und Erforschung. Die tägliche Beobachtung und Nutzung der Flächen im Lauf der Jahreszeiten sorgen für ein reizvolles Lebens- und Lernumfeld für Kinder und Erwachsene.


Mark