Wohnheim

Wohungsbau, Stuttgart
Bauherr: Studierendenwerk
Tübingen-Hohenheim
BGF: 3509 qm
nichtoffener Wettbewerb 2019











Das Gebäude folgt der klassischen Idee der Allseitigkeit und zeigt sich nach außen als prägnanter städtebaulicher Baustein. Das Wohnen orientiert sich dabei klar nach Innen. Die Grundrissorganisation, bei der sich alle Wohnküchen zum ruhigen Innenhof und zum gemeinsamen Laubengang hin orientieren, unterstreicht das Konzept und schafft kommunikative Begegnungsorte.

Das Konzept spiegelt konsequent die Aufgabenstellung wider. Ein verbindendes Haus, das die Straßenkante der zukünftigen Allee aufnimmt und dem Neubau auf der anderen Straßenseite ein Gegenüber bietet. Der Entwurf bildet keine Rückseite aus, sondern öffnet sich durch seine quadratische Geometrie, seinen Zugängen und gemeinschaftlich genutzten Räumen im Erdgeschoss zu allen vier Seiten – Parkplatz, Erdhügelhäuser, Grünzug und Allee.

Die Entscheidung für ein einzelnes Gebäude beruhigt die ohnehin schon heterogene Bebauung der Nachbarschaft und bildet einen kräftigen Baustein am nördlichen Zugang des Universitätsgeländes.

Die neue Gebäudekubatur fügt sich in die bestehende Parklandschaft ein und ist von einem harmonisch geschwungenen Wegenetz durchwoben. In Anbindung an die Hügelhäuser im Norden und die zukünftigen Grünzug werden Hügel und Baumgruppen skulptural gesetzt. Die natürliche Topographie umfließt und durchfließt auch das neue Gebäude. Die Grenzen zwischen Park und gebäudezugehörigen Freiräumen verschwinden. Die Landschaft läuft bis ans Gebäude und setzt sich in der Gestaltung des Innenhofs fort.


Im Innenhof und im Süden wird das Gelände leicht abgesenkt, so dass dort wechselfeuchte Retentionsbereiche entstehen, die sich naturnah gestaltet als Freiräume nutzen lassen.

Das neue Wohnheim ist einfach und funktional aufgebaut. Auf drei Vollgeschossen sind 42 Einzelapartments und 10 Wohngemeinschaften regelmäßig und vertikal gestapelt angeordnet. Um die Gebäudetiefe optimal auszunutzen, befinden sich im Regelgeschoss an den vier Gebäudeecken die Wohngemeinschaften. Dazwischen sind Studios und die außen liegenden Treppenhäuser aufgereiht. Das Achsraster von 3.10m ist konsequent durchgehalten.

Im Erdgeschoss sind die gemeinschaftlichen Nutzungen (Gemeinschaftsraum und Waschsalon) als Treffpunkte direkt an zwei Durchgängen angebunden.  Diese Kommunikationsräume an den Verkehrs- und Freiraumflächen bilden an unterschiedlichen Seiten des Gebäudes subtile Adressen  und aus.

Der Entwurf nutzt den natürlichen Verlauf der Topographie aus, um den Gemeinschaftsraum im Süden eine größere Raumhöhe zu ermöglichen. Der natürliche Geländeverlauf  durchfließt somit den gesamten Innenhof und verbindet die gemeinschaftlichen Treffpunkte des Hauses.

Durch die entschiedene Prägnanz des Baukörpers wird die Erscheinung subtil über einfache und feine Details definiert. So wird der Baukörper in seiner Fassade gut ablesbar in sein Grundraster rhythmisiert. Die privaten Wohnräume der Studenten zeigen sich durch ein einfaches stehendes Fenster mit textilem Sonnenschutz als Farbakzent nach außen, während sich zum gemeinschaftlichen Innenleben des Hauses die Wohnküchenbereiche großzügig öffnen.


Die schlanken Stahlstützen sind sowohl konstruktiv als auch gestalterisch das verbindende Element im Ausdruck der Fassade. Im Innern tragen sie die gestalteten Fertigteile den Laubenganges, nach Außen akzentuieren sie die Fugen der einzelnen Module. Der serielle Gedanke der dem Gebäude inne wohnt, bleibt ablesbar.

Das Einzelapartment bricht mit der Konvention der „ungenutzten Teeküche“ und nimmt sich -bei gleicher vorgegebener Programmfläche Raum aus dem Schlafbereich. Dadurch entsteht eine kompakte  „Zwei - Zimmerwohnung“  mit allen Qualitäten des Durchwohnens -  freundlicher kleiner  Wohnküchenbereich zum Innenhof und einem kompakten und zurück gezogenen Schlaf- und Lernbereich zum Grünen.

Die Studios haben damit  ähnliche Qualitäten wie die benachbarten Wohngemeinschaften. In beiden Fällen, entstehen im Rahmen des Programms differenzierte Wohnsituationen mit Rückzugsbereichen und zum Innenhof hin offeneren Wohnräume und Küchen.

Durch die Modulbauweise eines Studentenwohnheimes liegt die Entscheidung zum Baustoff Holz nahe. Dieses Holz durch die sägerauhe Schalung ist in der Fassade deutlich ablesbar und bekommt durch den dunklen Anstrich und reduzierten Farbakzenten eine frische und moderne Note. Die Laubengänge sind ebenfalls vorfabriziert aus Betonfertigelementen. gestalteten Schalungsgeometrien kostengünstig herstellen lassen.


Mitarbeit: Sebastian Schwarz