Die kleinteilige, gewachsene Struktur Schnelsens erfordert eine spezifische und präzise Herangehensweise an Nachverdichtung und das städtebauliche Entwicklungskonzept. Vorherrschend ist eine straßenständige, mit alten Seitenrisalitbauten durchsetzte Bebauung, die einen urbanen Charakter hat und trotzdem durchlässig und vorstädtisch ist. Diese Qualitäten prägen sich in den typischen hochformatigen Fassaden der Gründerzeitbauten und den großzügigen Durchfahrten zu den rückwärtigen Gartenlagen aus.

Diese Qualitäten sollen in einem zeitgemäßen Verdichtungskonzept für das Gesamtgebiet und in den Lösungen für Typologie, Setzung und Entwickelbarkeit der Parzellen und Lagen erhalten und weiterentwickelt werden. Im Norden weist ein robustes und flexibles Entwicklungskonzept den Weg in die Zukunft, das Rücksicht auf Baurecht, die Logik der bestehenden Parzellen und die Unabsehbarkeit der zeitlichen Abfolgen für die Weiterentwicklung der Grundstücke nimmt. Entlang der Frohmestraße können die Bauten frei nach Erfordernis und unabhängig voneinander mit 4-5 geschossigen Mehrfamilienhäusern ersetzt werden, ohne die bestehende Struktur zu stören. Auf der Gartenseite kann unabhängig hiervon die besondere Lagegunst entlang der Anbauverbotszone mit Punktbauten neu zur Geltung gebracht werden. Zwischen straßen- und gartenständigen Bauten soll eine Gartenhofallmende zur Begegnung einladen und die gemeinschaftliche Mitte der Grundstücke bilden.

Im Süden entlang der Wählingsallee ist das Ziel, ein robustes und qualitätvolles Verdichtungskonzept zu entwickeln, dass die Körnung und räumliche Logik der durchgrünten Nachbarschaft nicht aufgibt. Die hochformatigen Einzelbauten erzeugen im Wechsel Garten- und Erschließungshöfe, die sich zum grünen Inneren an der Kita Jungborn überleiten. Der Kopf am Park bildet den Abschluss und bündelt die Funktionen.

Die Freiräume greifen die Potentiale und Gegebenheiten Schnelsens auf und bilden ein lesbares Gesamtkonzept mit einer spannungsvollen Raumabfolge aus kontrastreichen, individuell erleb- und nutzbaren Teilbereichen. Die öffentlichen Straßenseiten der Frohmestraße und Wählingsallee werden zur repräsentativen Adresse. Aktive Erdgeschosszonen und ein hochqualitativer Raum für Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen lässt eine wiedererkennbare lebendige Mitte entstehen. Die tiefen Grundstücke ermöglichen die Schaffung einer gemeinschaftlichen Allmende in zweiter Reihe. Dieser flexibel bespielbare Raum dient sowohl dem nachbarschaftlichen Miteinander, als auch der Adressbildung und Erschließung: Ein aneigenbarer, überschaubarer Ort für gemeinsames Gärtnern, Nachbarschaftsfeste sowie Werken und Spielen im Freien. Die den Ort prägende Kulisse der baumbestandenen Gartenseiten stellt bereits im Bestand eine Qualität dar, die es unbedingt zu erhalten gilt. Über die Allmendebereiche und Höfe gelangt man in diese rückwärtigen, ruhigen Grünräume.Den Wohnungen zugeordnet bietet sich die Möglichkeit offener Privatgärten, die frei in einen gemeinschaftlichen Garten führen.

Schnelsen lebt durch seine Straßenzüge. Der öffentliche Raum entlang der Frohmestraße und der Wählingsallee wird neu entworfen. Ein lebendiger Boulevard entsteht. Erdgeschosszonen mit öffentlich wirksamen Nutzungen und ein gesamtheitlich lesbarer Raum von Fassade zu Fassade prägen das Bild. Der ruhende Verkehr wird in Quartiersgaragen umverteilt und der neue Raum avanciert zum hochqualitativen Treffpunkt für die Stadtgesellschaft. Spill-Over-Effekte in der unmittelbaren Nachbarschaft können zur Aktivierung von Leerständen führen und der Umgebung einen nachhaltig positiven Impuls geben. Die Deckelung der A7 samt neuem Quartierspark als Nucleus der Entwicklung Schnelsens wird in das Konzept integriert. Ähnlich wie sich die Parkgestaltung und -nutzung nördlich und südlich der querenden Frohmestraße unterschiedlich darstellt, sucht auch die städtebauliche und freiräumliche Entwicklung unterschiedliche Anschlüsse und Antworten. Die öffentliche Mitte entsteht an der Schnittstelle Frohmestraße / Park. Hier wird das vormals durch die A7 zerschnittene Schnelsen wieder zusammengeführt. Die vorgeschlagene, den Ort akzentuierende Bebauung samt öffentlicher Nutzungen bildet mit dem Platzbereich am Park ein spannungsvolles Ensemble und einen Ort größter Öffentlichkeit: eine neue Mitte.

Projekte

  • 934 MTÄ
  • 091 AUG
  • 923 MOO
  • 061 LAN
  • 080 FRO
  • 034 WIL
  • 918 H40
  • 068 EDS
  • 922 NEU
  • 044 ZEP
  • 907 FHM
  • 043 THE
  • 928 SRF
  • 040 ZEU
  • 926 BSN
  • 9O3 SAN
Architekten
Hartinger Koch Tran-Huu Part mbB
Westendstr. 51, 80339 München
+49 89 55 06 73 63
mail@famarchitekten.de

FAM Architekten